Bereits um halb acht bin ich wach, die Sonne hat sich tatsächlich durch die Wolken gekämpft und strahlt mich am Horizont an. Flugs habe ich die Betten abgezogen, nach dem Anziehen kommt alles in die Waschmaschine. Ich frühstücke und spüle, kurz drauf kann ich die Wäsche schon aufhängen – rapido sei Dank.

Gegen den Sturm

Gegen zehn Uhr habe ich gesaugt und mache mich auf den Weg in die Stadt. Zwar im T-Shirt und kurzer Hose, aber der Wind pfeift ordentlich. Wie kleine Nadelstiche prickeln die Sandkörner auf die Schienbeine ein, den Mund muss man geschlossen halten, will man nicht ohne Zähne knirschen können. Am Vila Baleira gebe ich es auf und wechsle auf die Straße. Auch hier bläst es ordentlich, aber zumindest keinen Sand. Ich kaufe im Pingo ein und wünsche den hier herum laufenden Scouts einen schönen Thinking Fax, was sie jedoch mit einem verständnislosen Blick quittieren. Mit dem Bus geht es zurück. Ich muss gar nichts mehr sagen, als einziger Passagier weiß der Busfahrer, wo ich hinmöchte. Ich drücke ihm etwas Trinkgeld in die Hand.

Hausübergabe

Die 10+x Garnelen, die keine 2,50€ gekostet haben, wandern mit dem Bolo do Caco ins Gefrierfach, der Rest in den Kühlschrank. Damit ist für Tilo und Hedwig Abendessen und Frühstück gesichert. Ich beziehe die Betten neu und wische durch. Die Sonne knallt vom strahlend blauen Himmel, da gönne ich mir doch glatt noch ein paar Minuten im Liegestuhl. Fensterläden rein, alles abschließen, heute mal weder Wasser noch Strom ausschalten, ab Montagabend ist ja wieder jemand hier. Ich schließe das Tor zu und begebe mich zur Calheta.

Abschied nehmen

Eine letzte Brisa und ein Pasteis de Nata sollten noch drin sein, doch bei der Brisa hat eine Fliege was dagegen, die im letzten Drittel ertrinkt. Die See ist aufgewühlt, noch immer bläst ein kräftiger Wind. 16.25 Uhr kommt „mein“ Busfahrer. 1,40€ für die Tour in die Stadt, hier nehme ich ein Taxi zum Flughafen. 6,40€. Läuft. Ich bin natürlich zu früh da, aber bei einem letzten Getränk und einem guten Buch kann man sich gut die Zeit vertreiben. Problemlos geht es durch die Sicherheitskontrolle, kurz drauf ist Boarding. Die Sonne ist als blutroter Ball hinter der Ana zu sehen.

Kurzer Flug

Im Flieger eine Großfamilie, die sich lautstark über mehrere Reihen erstreckt. Es ist noch Platz, so dass ich mich zwei Reihen weiter nach vorne setze. 10 Minuten vor der Zeit (also um 18.45 Uhr) heben wir sehr wackelig ab, immer wieder trifft eine Windböe den Flieger. Die Klimaanlage läuft auch Hochtouren, aber ich komme jetzt nicht an die Jacke dran, das hole ich nach, sobald wir die Reiseflughöhe erreicht haben. Von vorne kommt eine Frau mit Kind, blockiert erst sehr lange das Klo und bleibt dann bei der Großfamilie kleben. Irgendwann wird es sogar den Flugbegleiterinnen zu bunt und begleiten Mutter und Sohn freundlichen aber bestimmt zurück zu ihrem Platz. Es gibt Sandwich, Kräcker und Käse, ein paar Turbulenzen erschweren das Ausschenken der Getränke. Um kurz nach 20 Uhr landen wir in Lissabon.

Hostel am Rossio

Meine Metro-Karte aus Papier lässt sich wieder aufladen. Für 1,50 € geht es mit der Metro bis Rossio. Mittlerweile ist es fast halb zehn. Das Hostel finde ich sofort wieder, ein überfreundlicher Typ, der sich cool einen Bleistift hinters Ohr gesteckt hat, kommt mir auf der Treppe in den vierten Stock entgegen und will mir unbedingt meinten Rucksack abnehmen. Ich gewinne das Duell und behalte ihn auf. An der Rezeption drückt er mir ein Glas Wein in die Hand, das ich ebenso ablehne wie das Glas Wasser. In der vierten Etage flezen sich Menschen zwischen 18 und 25 Jahren auf den Sofas, der Wein fließt in Strömen, der Bass wummert aus den Boxen. Eine Tür führt hier zum Schlafraum, eine weitere zum Klo/Duschraum. Ich quatsche noch ein paar Minuten mit Mila aus Hongkong, die aber in Barcelona studiert und eine Woche in Lissabon war, dann mache ich mich bettfertig.

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