Als ich gegen sieben Uhr wach werde, pfeift der Wind schon ums Haus. Träge schiebt sich die Wolkendecke über den Horizont. Ich lese noch eine Weile, dann frühstücke ich im Haus. Es ist trocken aber frisch, so dass ich eine Maschine Wäsche einwerfen und im Nebenhaus einmal durchputze. Die Wäsche kommt auf die Leine, im Notfall kann ich sie immer noch abnehmen.

WBK-Vorbereitung am Telefon

Gegen Mittag meldet sich Jannis und wir planen ein bisschen für den Woodbadge-Kurs in der Karwoche. Unterdessen reißt die Wolkendecke vereinzelt auf und ich lasse die wärmenden Strahlen auf meine Haut fallen. Nach knapp einer Stunde sind wir fertig und ich nehme die trockene Wäsche ab und hänge die andere ins Atrium. Das Buch „Blaue Nächte“ ist ausgelesen und verschwindet im Schrank. Die Sonne ist nun vollständig zum Vorschein gekommen und nach einem schnellen Brötchen mache ich mich auf den Weg.

Hausberg und Zimbralinho

Über den Eselsweg, an dem sehr viel Pferde-Aa liegt, geht es rasch hoch hinauf. Die Farben sind phantastisch und man hat eine tolle Sicht auf unser Haus. Außer mir hat sich heute niemand hierher verirrt, Welch Wohltat! Ich steige wieder ein Stück hinab und wende mich direkt nach links der Bucht Zimbralinho zu. Mit Carina ging es nicht bis ganz nach unten, heute lasse ich die zahlreichen Warnschilder mal Warnschilder sein und schreite vorsichtig abwärts. Rechts schroffe Felsen, links der Abgrund, der durch einen kleinen Holzzaun, der nichts und niemanden vor einem Sturz in die Tiefe retten wird, begrenzt wird. Die Kraxelei lohnt sich jedoch. Am Steinstrand brandet der Atlantik sanft, der Blick aufs Meer ist paradiesisch. Ich lasse es wirken und begebe mich vorsichtig auf den Aufstieg.

Steilküste und Pferde

Auf der Straße geht es bis Morenos, wo ein erloschener Vulkan majestätisch im Felsen thront. Ein Stück weiter hat man eine neue Aussichtsplattform gebaut, damit niemand mehr die Klippen herabstürzen kann. Die Luft ist klar und problemlos kann man bis Madeira sehen, in dessen Bergen sich die Wolken verhäddern. Der Wind frischt auf und ich gehe zurück. Am Wegeingang zum Pico do Espigão steht ein Warnschild mit Hände weg. Ich weiß aber nicht, von was und so laufe ich einfach daran vorbei. Der Weg ist steil, Komoot (das ansonsten ständig das Signal verliert) behauptet 27%. Es geht mühsam voran, aber der Ausblick entschädigt wie so oft von den Strapazen. Hier oben hat man zahlreiche Pferde angebunden, die regelmäßig gefüttert und mit Wasser versorgt werden.

Wetterumschwung

Ich bin den Weg nicht mal zur Hälfte herabgestiegen, da fallen die ersten Tropfen. Die Beine der Hose lasse ich weg, aber die Regenjacke und der Rucksackschutz kommen raus. In wenigen Minuten bin ich klitschnass. Auf meinem Weg hinab ins Tal fahren zwei Autos an mir vorbei, aber nicht einer verringert die Geschwindigkeit. Ich biege wieder links ab, mein Ziel ist das Restaurant am Golfplatz. Immer wieder wechseln sich trockene und nasse Abschnitte ab, im Restaurant ziehe ich die Jacke aus und die Beine an.

Einzeldate

Als einziger Gast nehme ich Platz und bestelle Brot, ein Thunfischsteak und eine Brisa. Das Steak ist super lecker und das Gemüse dazu macht Lust auf mehr. Kochen können sie hier! Zum Nachtisch einen Schokovulkan mit Eis, draußen hat es sich ordentlich eingeregnet. Die Berge liegen im Wolkenmeer, auf der Terrasse plätschert das Wasser vom Dach herab. Der Kellner zündet den Kamin an, was für behagliche Wärme sorgt. Den Fahrer haben sie bereits nach Hause geschickt, dafür bestellt man mir ein Taxi. Der Taxifahrer erzählt, dass der morgige Karnevalsumzug der Schulen aufgrund des anhaltenden Regens abgesagt wurde. Er plädiert dafür, dass es immer nur nachts regnet, auch im Sommer. Am Haus plätschert es überall, morgen früh schaue ich mal nach größeren Pfützen drinnen und draußen. Zum Tagesausklang gibt es noch einige Runden Dreist!

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